EBS Universität für Wirtschaft und Recht

EBS Diskussionspapiere zur Immobilienwirtschaft Nr. 6

Zukunft des Immobilien Bankings in Deutschland: Regulatorische Einflüsse und Wettbewerb

Die gewerbliche Immobilienfinanzierung in Deutschland hat bewegte Zeiten hinter sich und sieht sich aktuell im Umfeld einer geänderten Regulierung sowie einem inzwischen wieder kompetitivem Wettbewerb in einer spannenden Phase. Da die Fremdfinanzierung von Immobilieninvestitionen durch Banken in Deutschland besonders wichtig ist, hat der Immobilienbankensektor für die deutsche Immobilienwirtschaft und somit auch seine Untersuchung an der Schnittstelle von immobilien- und finanzwirtschaftlicher Forschung eine besondere Bedeutung. Das Diskussionspapier liefert einen Überblick über das Thema gewerbliche Immobilienfinanzierung im Hinblick auf das regulatorische Umfeld und den Wettbewerb in Deutschland und untersucht verschiedene Einflüsse mittels Experteninterviews. Ziel war es, zu untersuchen wie die Aktiv- und die Passivseite einer Immobilienbank künftig aufgestellt sein sollte, um langfristig zu bestehen.

Im Ergebnis ist festzuhalten, dass Immobilienbanken zukünftig auf der Passivseite aufgrund der regulatorischen Vorgaben durch einen fristenkongruenten Refinanzierungsmix mit Einlagen und einem hohen Anteil an gedeckten Schuldverschreibungen geprägt sein werden. Auf der Aktivseite werden Immobilienbanken die hohen Beleihungsausläufe des Vorkrisenniveaus vermutlich nicht mehr erreichen, sehr wohl aber auch abseits der großen Immobilienteilmärkte in Deutschland Finanzierungen anbieten. Hier ist angesichts des Wettbewerbsumfelds eine diversifizierte Aufstellung der Banken auf mehrere Immobilienmärkte auch über Landesgrenzen hinaus sowie auch das Angebot von Projektentwicklungsfinanzierungen sinnvoll, sofern man die jeweiligen Risiken beherrscht. Für eine Immobilienbank wird es immer wichtiger, als spezialisierter „Finanzdienstleister“ Immobilienfachwissen und Kapitalmarktkenntnis zu bündeln, mehrere unterschiedliche Marktteilnehmer zusammen zu führen und dadurch einen Mehrwert zu generieren. Hierfür ist entsprechendes Personal mit Expertise ein wichtiger Baustein. Daneben ist die Sekundärmarktfähigkeit der Aktivseite notwendig, um Kredite beispielsweise im Zuge von Syndizierungen oder mithilfe verbriefungsähnlicher Instrumente weiterreichen zu können. Eine entsprechende IT-Infrastruktur, die Prozesse und Risiken einfach und schnell abbildet, ist zu diesem Zweck aber auch für die Reportingpflichten durch die Regulierung von erheblichem Vorteil, um schnell und handlungsfähig zu sein.