EBS Universität für Wirtschaft und Recht

EBS Diskussionspapiere zur Immobilienwirtschaft Nr. 7

Der Einfluss der Flüchtlingskrise auf die größten deutschen Immobilienmärkte

Das EBS REMI–Team hat eine Studie zu den Auswirkungen der Flüchtlingskrise auf die deutschen Immobilienmärkte veröffentlicht. Die Ergebnisse der Analyse zeigen, dass sich die Flüchtlingskrise als Chance für viele deutsche Großstädte herausstellen könnte. Nur in bestimmten Migrations-„Hot Spots“, die auch von einer hohen innerdeutschen Wanderungsbewegung gekennzeichnet sind, wird sich der deutliche Wohnungsmangel durch die Flüchtlingsbewegung noch verstärken. Besonders die Stadt Bonn wird hiervon am stärksten betroffen sein. Bei einer Bevölkerungszunahme von 6,6% wird hier mit einer Steigerung der Mietpreise von 7,7% gerechnet. Weitere Städte, die mit einer deutlichen Anspannung der Märkte rechnen müssen, sind insbesondere die großen Wirtschaftsmetropolen Frankfurt am Main, München, Stuttgart und Hamburg.

Insgesamt ist in den deutschen A-Städten bei einem durchschnittlichen Bevölkerungswachstum von 4,0% durch die Flüchtlingskrise eine Mietpreissteigerung von 3,4% zu erwarten.
B-Städte, deren Dynamik diese Prognosen übertreffen, sind Wiesbaden, Aachen und Hannover. Alle weiteren deutschen Großstädte haben nur geringe Zuwanderung und moderate Preissteigerungen zu befürchten. In vielen Großstädten ist zu erwarten, dass sich die bereits aufgrund des demografischen Wandels stattfindende negative Bevölkerungsentwicklung durch den starken Zuzug ausgleicht und sich stabilisierend auf die Wohnungsmärkte auswirkt.

Für viele deutsche Gemeinden, insbesondere im Ruhrgebiet, kann sich die derzeitige Flüchtlingswelle als Glücksfall für die Immobilienmärkte herausstellen. Städte, die besonders von der starken Zuwanderung profitieren, sind die Industriestädte Dortmund, Essen und Ludwigshafen. Hier wirkt die Zuwanderung am stärksten marktstabilisierend.

Weiterhin ist zu erwarten, dass die Flüchtlingswelle an den meisten Städten Ostdeutschlands vorbei ziehen wird und hier keine positiven Effekte abgeschöpft werden können. Selbst die größte Einwanderung seit Bestehen der Bundesrepublik  kann hier das Aussterben ganzer Landstriche nicht verhindern.