EBS Universität für Wirtschaft und Recht

10. EBS Immobilienkongress 2009

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Am 27. Februar 2009 trafen Topvertreter der Immobilien- und Energiewirtschaft, Lehrende und Studierende sowie zahlreiche Vertreter der Politik und der Medien zusammen, um sich unter dem Titel: „Ökonomie versus Ökologie - Umwelteffizienz in der Immobilienwirtschaft?“ beim 10. EBS Immobilienkongress in Oestrich-Winkel die derzeit wichtigste Frage in der Immobilienbranche zu stellen: In welchem Umfang kann und sollte dem Umwelt- und Klimaschutz bei der Vermarktung von Bestandsimmobilien und Neubauten Rechnung getragen werden?

Dass der diesjährige Immobilienkongress mit über 500 Teilnehmern der erfolgreichste aller Jahre war, ist nicht zuletzt der Teilnahme hochkarätiger Referenten zu verdanken: Unter der Schirmherrschaft von Dr. Georg Kofler von Kofler Energies AG haben Dr. Knut Zschiedrich, Vorstandsmitglied der RWG Energy AG, Reinhold Messner und Prof. Claudia Kemfert von der Humboldt-Universität Berlin durch außerordentliche Vorträge dazu beigetragen, dass das Thema der Nachhaltigkeit in der Immobilienbranche an diesem Tag von allen Seiten beleuchtet wurde. Denn vielen Teilnehmern war die Signifikanz des Zusammenspiels von Ökonomie und Ökologie bis dato wenig präsent. Doch Immobilien verbrauchen weltweit etwa 40 % der zur Verfügung stehenden Energie, 30 % der Rohstoffe, 20 % des Wassers und 10 % der Fläche.

Ein erster Vortrag von Dr. Joachim Pfeiffer, dem Koordinator für Energiepolitik der CDU/CSU- Bundestagsfraktion, galt dem Energieeinsparpotenzial bei Immobilien und weckte großes Interesse bei allen Teilnehmern. Die Praxis stellte Professor Hagge, Direktor Strategic Projects der Deutschen Bank AG, vor: Nach den Sanierungsmaßnahmen an den Zwillingstürmen des Deutsche-Bank-Hochhauses in Frankfurt, die noch bis 2010 andauern, werden der Energieverbrauch und der CO2 - Ausstoß halbiert. Wie und welche Maßnahmen im Einzelnen zu effizienten Energieeinsparungen führen, stellte er ausführlich und plastisch in seinem Vortrag dar.

Doch nicht nur eine technische und ökonomische Seite sollte in der Vortragsreihe an diesem Tag eine Rolle spielen, auch ethische und naturnahe Einblicke lieferten wichtige Perspektiven im Umgang mit unserer Umwelt, die beim Thema Ökonomie auf gar keinen Fall außer Acht gelassen werden dürfen. Ulf Posé vom Ethikverband der Deutschen Wirtschaft e.V. ging der Frage nach, ob und in welchem Rahmen Unternehmen und Branchen sich ethisch verhalten können und es tatsächlich tun. Ethik fängt bei jedem Menschen selbst an und durchzieht sich durch alle Lebensbereiche. Auch die Immobilienbranche wird langfristig davon profitieren, wenn sie sich ethisch verhält und Rücksicht auf die Umwelt nimmt. Einen sehr informativen und unterhaltsamen Beitrag lieferte der prominente Extrembergsteiger Reinhold Messner mit seinem Dinner-Speech zum Thema: Berge versetzen. Er erweiterte die Vorträge seiner Vorredner um eine ganz persönliche Note: durch zahlreiche Krisen auf seinen Wegen zu den höchsten Gipfeln dieser Erde weiß er, dass sich jeder Mensch immer wieder neuen Herausforderungen stellen muss. Nur so sichert er seine Existenz und kann durch Innovationen neue Ziele erreichen.

Ganz besonderes Interesse galt der Verleihung des diesjährigen „Aareal Award of Excellence in Real Estate Research“ durch die Aareal Bank AG gemeinsam mit dem Real Estate Management Institute (REMI) der European Business School. Der Preis wurde dieses Jahr erstmals international ausgeschrieben und war mit insgesamt 12.000 Euro dotiert. Die diesjährigen Gewinner waren Nils Kok von der Universität Maastricht (Aareal Award PhD) und Maximilian Brauers von der Universität Freiburg (Aareal Award Master/ Bachelor). „Mehr denn je unterstützt uns der Austausch mit der Wissenschaft bei der Suche nach den besten Lösungen für die Zukunft“, sagte Dr. Wolf Schumacher, Vorstandsvorsitzender der Aareal Bank AG, bei der Preisverleihung. Mit ihrem Engagement verdeutlichte die Aareal Bank ihre Ziele, den Nachwuchs zu fördern und Wissenschaft und Lehre international zu vernetzen. Professor Rottke, der durch die gesamte Preisverleihung führte, ergänzte: „Forschung und Wissenschaft dürfen nicht isoliert von der Praxis sein: Mit einer umfassenden, angewandten Grundlagenforschung können wir auch fundierte Aussagen aus der Forschung für die Praxis treffen“, erläuterte er. „Der Aareal Award schafft insbesondere für Nachwuchskräfte einen Anreiz, sich in der Forschung zu engagieren.“

Parallel zu allen Vorträgen fanden drei Paneldiskussionen statt, die aufschlussreiche und deutliche Standpunkte hinsichtlich der Interessensfrage der Mieter an energieeffizientem Wohnen lieferten und sich die Frage stellten, ob ökologisch sanierte Gebäude für Investoren überhaupt lukrativ sind. Schon vorab bei der Podiumsdiskussion, ebenfalls moderiert von Professor Rottke (REMI), wurde klar, dass bisher die Mieter wenig Interesse an ökologischen Modernisierungsmaßnahmen an ihren Wohneinheiten zeigten. Schirmherr Dr. Georg Kofler machte deutlich, dass jedoch eine Steigerung der Energieeffizienz neben der Energieerzeugung von höchster Bedeutung ist. Wenn Mieter nicht selbst in Energieeffizienzmaßnahmen investieren wollen, kann das Energy Contracting, eine Finanzierung durch Energiekosteneinsparungen, dies elegant meistern und somit das Einsparpotenzial an Energie in allen Immobilien quantifizieren. „Energieeffizienz ist das Beste aller denkbaren Konjunkturprogramme, denn es bringt eine zweifache Rendite: einmal für die Wirtschaft und einmal für die Umwelt. Wir brauchen erstens einen neuen Industriezweig auf breiter Front, nämlich die Energie-Effizienzwirtschaft. Zweitens benötigen wir Geschäftsmodelle, die einfach, transparent und gewinnbringend sind.“, so Dr. Kofler. Auch die Politik müsste hier ganz dringend Rahmenbedingungen schaffen, um Mieter und Bauunternehmen zu motivieren, ökologisch zu bauen.

Am Ende der Veranstaltung war man sich sicher: ein Umweltbewusstsein in der deutschen Immobilienwirtschaft, der Einklang zwischen Ökonomie und Ökologie, ist von enormer Bedeutung für den Immobilienmarkt. Umwelt und Wirtschaft dürfen keine Gegensätze mehr bilden. Durch herausragende Vorträge und hervorragende Referenten aus der freien Wirtschaft ist es dem 10. EBS Immobilienkongress auf unterhaltsame Weise gelungen, die Brücke zwischen zwei Konträren zu schlagen, die in Zukunft eine starke Einheit bilden müssen.