EBS Universität für Wirtschaft und Recht

EBS Immobilienkongress 2011


"Verantwortung der Immobilienwirtschaft -Chancen nachhaltigen Handelns"

Am 25. Februar 2011 fand der 12. Immobilienkongress an der EBS Business School zu dem Thema „Verantwortung der Immobilienwirtschaft – Chancen nachhaltigen Handelns“ auf Schloss Reichartshausen in Oestrich-Winkel statt. Mit 450 Gästen hat sich die jährlich wiederkehrende Veranstaltung als eine der zentralen Konferenzen innerhalb der deutschen Immobilienbranche etabliert und bot erneut allen Interessierten dieses Wirtschaftszweiges eine einzigartige Plattform zum Gedankenaustausch und Networking.

Werner Knips, Senior Partner, Heidrick & Struggles Unternehmensberatung, begrüßte die Teilnehmer auf dem 12. Immobilienkongress. Als einer der ersten Referenten nahm sich Prof. Dr. Dr. Franz-Josef Radermacher, Leiter Forschungsinstitut für Anwendungsorientierte Wissensverarbeitung (FAW), Universität Ulm und Mitglied, Club of Rome, dem Thema „Verantwortung der Immobilienwirtschaft“ aus systemtheoretischer Sicht an und stieß auf reges Interesse. Es gibt sowohl Verantwortung des einzelnen als auch die Verantwortung des Unternehmens. Der reine Appell an die Verantwortung könne aber nicht das letzte Mittel sein. Es müssen Systembedingungen geschaffen werden, unter denen verantwortlich gehandelt werden kann. Wer nicht verantwortlich handelt, müsse mit entsprechenden Sanktionen rechnen.

Bernhard Thier, Cefic Responsible Care Manager, beschäftigte sich auf dem Immobilienkongress mit der Bedeutung von „Responsible Care® - Initiative der weltweiten Chemieindustrie“. Corporate Responsibility bedeutet für die chemische Industrie, verantwortlich zu handeln. Sie macht dies über das internationale Programm Responsible Care (RC) deutlich. Das Programm ist eine weltweite Initiative der chemischen Industrie. Es steht für den Willen, die Bedingungen für den Schutz von Gesundheit und Umwelt sowie für die Sicherheit von Mitarbeitern und Nachbarschaft ständig zu verbessern – unabhängig von gesetzlichen Vorgaben. In Europa wird RC durch den Europäischen Chemieverband Cefic koordiniert, welcher 24% der weltweiten Chemieindustrie repräsentiert. Am Das Beispiel von BASF zeigte Bernhard Thier,  wie ein RC Management System aussehen kann: Dieses beschreibt alle unternehmerischen Prozesse und gibt Anleitungen für das Management, um sich entsprechend den RC Prinzipien zu verhalten.

Prof. Dr. Ing. Bernhard Bürklin, Beiratsvorsitzender Bürklin OHG und Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen e.V. (DGNB), griff die „Verantwortung der Bau- und Immobilienwirtschaft“ auf. Gerade die Immobilienbranche könne wie keine andere Industrie einen entscheidenden, gesellschaftsrelevanten Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit leisten. Im Mittelpunkt der Arbeit der DGNB stehe die Entwicklung und Vergabe eines Zertifikats für nachhaltiges Bauen. Anforderungen an ein solches Zertifizierungssystem seien unter anderem, dass es Neu-, Alt- und Umbauten umfasse, kontinuierlich anpassbar sei, sowie auch auf andere Klimaregionen übertragbar bleibe. 

Auf den folgenden Vorträgen stand die Unternehmensverantwortung im Fokus: Über „Nachhaltigkeit und Führung – Werteorientierte Unternehmensführung“ sprach Jörg von Pappenheim, MOB, DATEV eG. Neben der Betrachtung des „Business Case“ gewinnt der „Social Case“, also die soziale Verantwortung von Managern, zunehmend an Bedeutung. Zu den materiellen Unternehmenswerten treten immaterielle Werte wie Wissen, Marken und Image, aber auch Beziehungen und Umwelt hinzu. Jörg von Pappenheim verdeutlichte das Ziel der DATEV eG, Nachhaltigkeitsaspekte im Unternehmen nicht vom Tagesgeschäft zu trennen. Ein erster Schritt könne sein, das Thema im Geschäftsbericht zu verankern. Darüber hinaus kritisierte Jörg von Pappenheim, dass Werteverstöße selten zu Konsequenzen führen.

Die zweite Podiumsdiskussion „Werteorientiertes Management“ startete Dr. Stefan Bötzel, Partner, Leadership Consulting Heidrick & Struggles, mit seinem Vortrag „Verankerung von Werten in der unternehmerischen Führung“. Er stellte verschiedene Thesen zur Werteorientierung auf, u.a. die Forderung nach einem neuen Paradigma zur Auswahl und Bewertung von Managern sowie nach  Führungsinstrumenten in Unternehmen bis hin zur Anpassung der Incentivierungssysteme. Die Anwesenden waren sich weitestgehend darüber einig, dass Führungskräfte Werte vorleben. Da sich neue Mitarbeiter kaum noch durch ihre Qualifikationen unterscheiden, gewinnt die Frage an Bedeutung, ob ein neuer Mitarbeiter hinsichtlich seiner Werte zum Unternehmen passe.

„Ich habe mehr als 100 Länder bereist, verliebt habe ich mich aber nur in eines: Deutschland“, begrüßte Dieter Reitmeyer, Geschäftsführender Gesellschafter der redi-Group, die Anwesenden zu seinem Vortrag über „Werte- und Interessenkonflikte“. Reitmeyer sprach sich für eine stärkere Wertschätzung des Human Value aus. Um Human Value generieren zu können, sei mehr Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt notwendig. Den stärkeren Einsatz von Zeitarbeit sieht er als einen wesentlichen Produktionsfaktor der Zukunft. Gerade in der Wirtschaftskrise habe die Bereitschaft seiner Mitarbeiter zu Veränderung und Entwicklung dazu beigetragen, dass die redi-Group nach nur 17 Monaten wieder Gewinne verzeichnen konnte.

Als Ehrengast trat Dr. Notker Wolf, der neunte Abtprimas der benediktinischen Konföderation und Kanzler der Hochschule von St. Anselmo, auf. Er sprach zum Thema „Verantwortung als persönliche Lebensmaxime: Impulse für die Wirtschaft“. Der Abtprimas ist der ranghöchste Benediktiner von weltweit 8.000 Mönchen und 16.000 Nonnen - und er liebt Rockmusik. 

Weitere Themen auf dem Kongress:

 

Die parallel stattfindende Karrieremesse nutzten 15 Unternehmen, um sich vorzustellen und mit über 100 nationale und internationale Studenten in Kontakt zu treten.

Am Vorabend des 12. EBS Immobilienkongresses fanden erstmals Gruppenworkshops mit ausgewählten Unternehmen statt. Jeweils zehn bis 15 Studenten, die sich beworben hatten, erhielten einen Einblick, beispielsweise in die „Nachhaltige Unternehmensführung“. Den Einführungsvortrag hielt Dr. Thomas Beyerle, IVG Immobilien AG, zum Thema „Nachhaltige Unternehmensführung und -verantwortung“.

Durch den Workshop der Unternehmensberatung Heidrick & Struggles führte Christoph Hartmann, Principal, Global Financial Services and Real Estate Practice, Heidrick & Struggles. Hinsichtlich verantwortlicher Unternehmensführungen wurden Pro und Contra eines zertifizierten Corporate Governance- und Wertemanagement Systems erörtert. Fragen nach den größten Herausforderungen im Unternehmens- und Managementalltag, aber auch nach dem Erreichen der persönlichen Leistungsgrenze und der Gewichtung von Unternehmens- und Eigeninteressen führten zu spannenden Diskussionen.

Auf dem anschließenden Diskussion über „Erfahrungsberichte und Wahrnehmungen in Bezug auf nachhaltige Unternehmensführung aus der praktischen Realität“ waren folgende Teilnehmer präsent:

  • Dr. Thomas Beyerle, Head of CSR & Research, IVG Immobilien AG
  • Andreas Stegmann, Head of Acquisitions, Patrizia Acquisitions & Consulting GmbH
  • Marcus Hofmann, Geschäftsführer, Feldberg Capital GmbH
  • Christoph Wittkop, Sprecher der Geschäftsführung der Pamera Asset Management GmbH
  • Dr. Pamela Hoerr, Geschäftsführerin Patrizia Wohnen GmbH

Abschließend wurden konkrete Praxislösungen anhand realer Fallstudien in kleinen Gruppen erarbeitet, vorgestellt und bewertet.

Der nächste EBS Immobilienkongress wird am 24. Februar 2012 auf dem Campus der EBS Universität für Wirtschaft und Recht in Oestrich-Winkel stattfinden.