EBS Universität für Wirtschaft und Recht

EBS Immobilienkongress 2012

Am 24. Februar 2012 drehte sich auf dem Campus der EBS im Rheingau alles um die Immobilienwirtschaft: einen Tag lang beschäftigten sich Professionals, Studierende und Interessierte im Rahmen des 13. EBS Immobilienkongresses vor allem mit der Zukunft von Immobilieninvestitionen. Das Thema lautete "The Future of Real Estate Investments". Co-Ausrichter war in diesem Jahr die FMS Feldhoff Management Services KG.

Mit der Krise im Euroraum und den aktuellen Konjunkturaussichten befasste sich der Keynote Speaker Professor Dr. Dr. h.c. mult. Wolfgang Franz, Vorsitzender der Wirtschaftsweisen der BRD, und Präsident des Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung (im Bild). Sein Vortrag und seine Aussichten, die auch verschiedene Entwicklungsszenarien hinsichtlich des Verlaufs der Krise im Euroraum beleuchteten, war einer der Höhepunkte auf dem diesjährigen Kongress.

Andrew Smith, Global Head of Property, Aberdeen Asset Management, regte mit dem Vortrag „New ways of thinking in property investment management: the search for alpha" zum Nachdenken über neue Strategien an. Er empfahl, sich auf transparente Märkte zu konzentrieren. Auf regionalen Märkten aktiv zu werden, könne durchaus günstiger sein als auf Ballungszentren und Hauptstädte zu fokussieren. Er vertrat ebenso die Auffassung, dass Einzelhandelsimmobilien gegenwärtig Büroobjekten vorzuziehen seien, fokussierte zudem auf potenzielle Wachstumsbereiche sowie das Thema Schutz vor Kapitalverlust und erläuterte einen gezielten Einsatz von knappem Fremdkapital.

Dr. Henning Klöppelt, Sprecher der Geschäftsführung Warburg-Henderson KAG, stellte „Die Auswirkungen von Solvency II auf Investmentstrategien institutioneller Investoren“ dar. Dabei war seine Schlussfolgerung, dass es trotz der nicht einfachen Herausforderungen unter Solvency II und der AIFM Directive es nun an den Fondsinitiatoren und Fondsmanagern liege, durch kreative Lösungen diesen komplexen Themen zu begegnen. Hieraus könnten sich durch auch Chancen ergeben. Somit legte er die Grundlage für die folgenden Impulsvorträge und Paneldiskussionen über die zahlreichen systemrelevanten Neuregulierungen, der sich die Immobilienbranche in den nächsten Jahren stellen muss.

Ob nun die Investmentbranche tatsächlich Antworten und Lösungen für die neue Regulierungsdichte hat, diskutierten Torsten Knapmeyer, Geschäftsführer Deka Immobilien GmbH, Bärbel Schomberg, Geschäftsführerin & Gesellschafterin Schomberg & Co. Real Estate Consulting GmbH, Alexander Dexne, CFO alstria office REIT-AG, Fabian Klingler, Managing Director Aberdeen Immobilien Kapitalanlagegesellschaft mbH, sowie Tim Andreas Lasys, Managing Director Catella Property Advisors GmbH. Welche Modelle und Anpassungsreaktionen zu erwarten sind und welche Strukturen sich durchsetzen können, wird sich mit der Zeit entscheiden. Einige Trends, beispielsweise die Zunahme von Aktivitäten in Immobilien-Spezialfonds sind aber bereits zu erkennen Vom Gesetzgeber fordern die Experten mehr Transparenz, um ohnehin schon bestehende große  Unsicherheiten in der Zukunft zu vermeiden.

Hinsichtlich Solvency II benötige gerade der Investor ein klares Reporting und ein pragmatisches Handling, dass Immobilieninvestments weiter attraktiv erscheinen lässt. Banken werden Kredite nicht kündigen, deshalb sind dringend Lösungen notwendig. Damit Banken auch weiter finanzieren, werden sie nach Strategien und Konzepten – und auch nach neuen Geschäftsmodellen – suchen, denn ein kreativer Gestaltungsspielraum, die Finanzierungsprodukte zu verbessern, sei vorhanden. Solvency II könne durchaus als Innovationsmotor gesehen werden, der neue Chancen ermöglicht. Dabei könnte die Immobilienaktie unter Umständen als Gewinner der Regulierungen hervorgehen.

Einen umfangreichen Einblick in „Family Offices als Immobilienanleger? Anmerkungen zu einer umworbenen Zielgruppe“ gewährte Kevin Schaefers, Mitglied der Geschäftsführung, Feri Institutional & Family Offices GmbH, Bad Homburg. Family Offices verstehen sich nicht nur als Vermögensverwalter, sondern als aktiver Investmentmanager, der im Rahmen der Assetmanager-Selektion steuert, proaktiv koordiniert und das Multi-Asset-Portfolio in Bezug auf die gesetzte Zielrendite optimiert. Bereits haben Family Offices, beispielsweise in München, eine gewichtige Rolle in der lokalen Investmentlandschaft. Deutlich wurde, dass sich Asset Manager heutzutage zahlreichen, komplexen Herausforderungen gegenüber sehen. Aspekte wie die fortschreitende Globalisierung, demographischer Wandel, Wohlstandsverlust, Steuererhöhungen, Inflation, monetäre Verwässerung sowie die Staats-, Banken,- und Währungskrise beeinflussen das Anlageverhalten dieser Investmentgruppe signifikant. Demzufolge sind neue Denkmuster und unkonventionelle Investmentansätze für Anleger erforderlich.

Dr. Bernhard Köhler, CEO Swisslake Capital AG, ging in seinem Vortrag der Frage nach, warum sich Investoren in Europa zunehmend Deutschland zuwenden. Im vergangenen Jahr wurden 47 internationale Private Equity Immobilienfonds mit einer Investmentallokation in Deutschland aufgelegt. Dies entspricht einem Anstieg um 12,7 Prozent zum Vorjahr. Darunter befinden sich 14 reine Deutschlands-Fonds. Aber auch die Anzahl der opportunistischen Fonds steigt an. Mit der 3.200 Fonds umfassenden Swisslake Datenbank verwaltet das Unternehmen eine der größten Immobilienfonds-Datenbanken der Welt.

Auf sehr bereites Interesse stieß das Panel, in dem unter anderem Dr. Wolf Schumacher, Vorstandsvorsitzender Aareal Bank AG, und Gero Bergmann, Vorstandsmitglied der Berlin Hyp, die Auswirkungen von Basel III auf die Immobilienfinanzierung diskutierten. Einig war man sich, dass eine Finanzierungslücke in den nächsten Jahren von Bankenseite zu erwarten ist, dass aber auch vermutlich andere Markteilnehmer, wie beispielsweise Versicherungen diesen „Finance gap“ teilweise wieder schließen bzw. kompensieren könnten. Ob dies allerdings in vollem Umfang geschehen wird, scheint fraglich. Nach wie vor werden aber sehr Eigenkapital starke Investoren, im Panel vertreten durch Dr. Rüdiger Mrotzek, Vorstand Hamborner REIT AG, sich eher behaupten können und gegen die Finanzierungsklemme besser gerüstet sein. Auch die Geschäftsmodelle der Banken werden sich ändern. Es kann durchaus sein, dass Finanzinstitute in Einzelfällen nicht die Finanzierung selbst aber das vorhandene Know-how des Finanzierungsarrangeurs in Joint Ventures zur Verfügung stellen werden.

Neben den Fachvorträgen und Paneldiskussionen sowie der Verleihung eines Forschungspreises entwickelte sich die Veranstaltung, die jährlich von einem studentischen Ressort organisiert wird und als eine reine Non-Profit Veranstaltung konzipiert ist, durch die Anzahl der Referenten und Gäste zum bisher erfolgreichsten EBS Immobilienkongress.

Merken Sie sich schon jetzt den 22. Februar 2013 für den nächsten EBS Immobilienkongress vor!