EBS Universität für Wirtschaft und Recht

Rückblick: 18. EBS Immobilienkongress

Am vergangenen Freitag, den 24. März 2017, konnten wir uns über mehr als 400 Teilnehmer zum 18. EBS Immobilienkongress auf dem Campus in Oestrich-Winkel freuen.

Die Vorträge unserer Redner vermittelten interessante Einblicke und neue Erkenntnisse, wohin gegen in den Panels teilweise sehr kontrovers diskutiert und die Thematik von unterschiedlichen Interessen und Ansichten beleuchtet wurde.

Hier eine Zusammenfassung des Programms:

Zur Eröffnung des 18. EBS Immobilienkongresses begrüßten Professor Jan Mutl sowie das studentische Ressort unter dem Thema „EUvolution – Risiken und Chancen für die Immobilienwirtschaft“ die Referenten und Teilnehmer.

In drei spannenden Panels wurden die Effekte des BREXIT und der daraus resultierenden Unsicherheit auf die Immobilienbranche aus verschiedenen Lagern betrachtet und diskutiert.

Nach einer gründlichen Konjunkturanalyse des Status Quo von Dr. Christine Schäfer (DZ Bank Research) wurde in der altehrwürdigen Klaus-Evard-Bibliothek auf dem Campus der EBS Universität in Oestrich-Winkel der Startschuss zur ersten Paneldiskussion gegeben.

Unter der Moderatorenleitung von Dr. Thomas Beyerle (Catella Valuation) fand ein reger Austausch zwischen den führenden Köpfen der Europäischen Asset Manager Branche zu den Folgen des BREXIT statt. Zunächst beschrieb jeder Beteiligte den BREXIT aus der Sicht seines Unternehmens und die potentiellen Folgen daraus.

So bestätigte Wenzel Hoberg (TRIUVA) eine generelle Unsicherheit, die sich auf Kunden übertragen, jedoch nicht auf den als sicheren

Hafen geltenden Investitionsraum Deutschland ausgebreitet hat.

Aus seiner Sicht wird sich der Jobwegzug aus London auf mehrere Standorte verteilen. Jochen Schenk (Real I.S.) erklärte, dass er die Standorte Dublin, Luxemburg und Paris nach dem BREXIT vor London favorisiere. Zudem brauchten ausländische Banken den EU-Passport, um weiterhin im EU Raum operieren zu können. Dirk Schuster (Commerz Real) erläuterte, dass sein Unternehmen eine generelle Zurückhaltung beim Zukauf in London ausübe, da das UK Zielexposure mit 16-18% bereits erreicht wäre. Er ist der Meinung „Die Wirtschaft will keinen harten BREXIT“. Cecilie Blanchard (La Française) ergänzte zudem, dass London (trotz BREXIT) Hauptinvestitionsstandort bleiben wird. Auch über weitere Standorte in Osteuropa und das Thema der Digitalisierung wurde diskutiert.

Im nächsten Programmpunkt schilderte unser Redner aus UK, Russell Chaplin von Aberdeen Asset Management, aus britischer Sicht, wie er das BREXIT Votum erlebte. Hierbei ging er besonders detailliert auf die Geschehnisse am Vor- und Folgetag der Entscheidung ein und beschrieb in einer spannenden Art und Weise, welche kurzfristigen Entscheidungen er zur Wiederausrichtung seines Unternehmens treffen musste.

Die zweite Paneldiskussion behandelte den Deutschen Büroimmobilienmarkt.

Die Vertreter aus dem Vermietungsgeschäft Timo Tschammler (JLL) und Dr. Jan Linsin (CBRE) bestätigten, dass die positiven Effekte des BREXIT auf den deutschen Markt in den Medien zu früh angepriesen worden sind und es erst langsam konkrete Anfragen für Büroflächen in Frankfurt gäbe. Deutschland sei momentan ein sicherer Hafen für ausländisches Kapital.

Tschammler erläuterte, dass der BREXIT bislang keine Auswirkungen auf den Vermietungsmarkt in Deutschland habe und der Flächenumsatz weiterhin auf hohem Niveau sei. Zudem sei JLL der Meinung, dass sich die Durchschnittsmieten durch den BREXIT nicht sonderlich nach oben bewegen werden, da (noch) ausreichende Büroflächen vorhanden seien. Andreas Hardt (Blackstone) fügte hinzu, dass er aus Investorensicht auch in politisch turbulenten Zeiten weiterhin wachsam für neue Gelegenheiten in Europa bleiben wird. Auch seiner Meinung nach wird sich der Wegzug aus London auf mehrere Städte aufteilen. Frankfurt und Warschau wären aus seiner Sicht in Kontinentaleuropa aber die Favoriten.

Mit dem Bild einer zerrissenen EU-Flagge begann Professor Dr. Alexander Goepfert seinen Vortrag über den BREXIT aus einer in der Öffentlichkeit oft vernachlässigten Sicht und zwar aus rechtlicher. Nach einem kurzen Überblick über die möglichen juristischen Vorgänge des britischen Austritts aus der EU, insbesondere der Unterschiede zwischen einem geordneten und einem ungeordneten Austritt, wurden die grundsätzlichen rechtlichen Probleme und die unterschiedlichen Positionen der

Europäischen Union und Großbritanniens vorgestellt. Die größten voraussichtlichen Streitpunkte sind hier ungeklärte Verbindlichkeiten Großbritanniens in Höhe von ca. 61,4 Mrd. Euro. Die Wahrscheinlichkeit, dass hier keine Einigung erzielt werden kann und es zu Verhandlungen vor dem ICJ (International Court of Justice in Den Haag) kommen wird, ist hoch. Hoch bzw. sehr hoch wird auch die Anzahl an Gesetzen sein, die nach einem Austritt in UK angepasst werden müssen. Allein aufgrund der schieren Menge dieser Gesetze (Schätzungen belaufen sich derzeit auf rund 21.000) und dem kurzen Zeitraum von zwei Jahren für diese Anpassungen, wird der juristische Apparat Großbritanniens vor gewaltige Probleme gestellt. „Selbst wenn alle Anwaltskanzleien Londons hier eingesetzt würden, ist dies in diesem Zeitraum nicht zu schaffen!“, so Alexander Goepfert.

Die dritte Paneldiskussion handelte von lokalen Auswirkungen für den Immobilienmarkt in Frankfurt und bildete mit Vertretern der Baubranche die Angebotsseite des Immobilienmarktes ab. Jens Hausmann (Groß & Partner) schilderte, dass Luxemburg, Paris und Dublin die größten Konkurrenten von Frankfurt seien, er jedoch den Büromarkt speziell im Raum Frankfurt positiv sehe. Die Leerstandsraten sehe er hier unkritisch, da ein hoher unvermietbarer Sockelmietstand

existiere. Außerdem sehe er wenig Risiko für den Büromarkt in Frankfurt, so dass Groß & Partner weiterhin Projekte entwickeln werde, ohne bereits einen konkreten Nutzer zu haben. Zum Wohnungsmarkt sei er der Meinung, dass die Mieten weiter steigen werden, so dass immer mehr Einwohner in den „Frankfurter Speckgürtel“ ziehen müssten. Dr. Markus Wiedenmann (Art Invest) vertrat die Auffassung, dass viele vom BREXIT Betroffene eher nicht aus London wegziehen würden, Deutschland jedoch klar im Fokus internationaler Investoren stehe und als „Safe Haven“ Europas gehandelt werde. Im Fall eines Auseinanderbrechens der EU wüde deswegen eine „neue deutsche Währung“ extrem aufgewertet. Aus dem Wohnbaubereich äußerte sich außerdem Iris Dilger (Die Wohnkompanie) und sprach den Boom im Luxussegment für Neubauwohnungen an, in welchem Hochbauwohnungen in Innenstadtlagen zu astronomischen Quadratmeterpreisen an internationale Investoren verkauft wurden.
Klaus Beine (Beiten Burkhardt) schilderte aus seiner Sicht, dass der Anteil von sozialem Wohnungsbau bei Neubauprojekten durch Regulatorien der Städte stetig steige.

Mehrere Start-Ups aus der Immobilienwirtschaft stellten im Rahmen des zum zweiten Mal stattfindenden Start-Up Slams ihre neuen innovativen Geschäftsmodelle vor.

Neugegründete Proptechs und Fintechs der Immobilienwirtschaft präsentierten in Kurzvorträgen im Pecha-Kucha-Format folgende Konzepte: Immobilien-Leibrenten (Deutsche Leibrenten Grundbesitz), Internetportal für kommunale Bauplätze und Immobilien (Terragroup), Immobilienvermarktungsplattform (Maklaro) und Möblierte Business Wohnungen (Homelike). Es wurde deutlich, dass die anhaltende Digitalisierung zunehmend auch in der Immobilienbranche Einzug hält und einfallsreichen Unternehmern neue Möglichkeiten eröffnet.

Die drei Workshops, die im Rahmen des Kongresses angeboten wurden, fanden in der Studentenschaft großen Anklang. Vielen Dank an die Firmen: PriceWaterhouseCoopers, SER Solutions Deutschland GmbH und OVG Real Estate GmbH!

Zum krönenden Abschluss des gesamten Tages kam der Wiener Immobilieninvestor Gerald Hörhan alias „Der Investmentpunk“ auf die Bühne, um sein Portrait der Immobilienbranche und der Marktumstände zu schildern.
Dabei ging er besonders auf die Zyklizität des Immobiliengeschäftes ein und unterhielt das Publikum in seiner ganz eigenen, legeren Art und Weise.
Er ermunterte die Zuhörer mit zahlreichen Anekdoten dazu, die Marktgegebenheiten immer zu hinterfragen und antizyklisch zu investieren.

Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle nochmals an alle Redner, Stifter und natürlich unsere Teilnehmer!